Was ist eigentlich der WUMA?

„Der Dürkheimer Wurstmarkt ist ein Volksfest in der pfälzischen Kur- und Kreisstadt Bad Dürkheim an der Deutschen Weinstraße (Bundesland Rheinland-Pfalz).
Er findet alljährlich am zweiten und dritten Septemberwochenende statt und gilt mit über 600.000 Besuchern als das größte Weinfest der Welt. Der erste Dürkheimer Wurstmarkt wurde, allerdings noch nicht unter diesem Namen, im Jahre 1417 abgehalten.“  (Quelle: Wikipedia)

Was ist da eigentlich los? Fest steht, dass sich die 600.000 Besucher alle am letzten Samstag ihre Körper aneinanderreiben und jeder Perversling ungestraft seine Gliedmaßen an fremden Leibern schubbern darf.
„Herzstück des Dürkheimer Wurstmarktes sind die "Schubkärchler", jene kleinen Weinzelte mit ihren hölzernen Tischen und Bänken, an denen es sich besonders gemütlich zusammenrücken lässt und immer noch einer dazupasst. 36 historische Weinstände mit je ca. 120 Sitzplätzen erwarten die unzähligen Besucherinnen und Besucher. Alle auf dem Wurstmarkt angebotenen Weine und Sekte stammen aus Bad Dürkheim.“

In diesen Saufoasen drängeln sich rotnasige Weinkonsumenten und feiern die 4,5 Promillegrenze mit 100% Torkelgarantie. Die Theke ist aus massiven Weichholzbrettern gezimmert, damit sich auch der letzte Suffkopp zum Bestellen seiner Ahoibrause mit den Krallen seiner Finger am Sims der Bar hochziehen kann. So lassen sich die Schoppen im Pansen besonders gemütlich zusammenrücken und es passt immer noch einer dazu…

Wer die 36 gemütlichen Ballerbuden durchhat, fängt wieder von vorne an. An neun Tagen bleibt genügend Zeit, sich den letzten Rest Hirn wegzublasen und den hölzernen Charme des Mobiliars schätzen zu lernen.

„Ein Dutzend Dürkheimer Weinbaubetriebe kredenzen im Weindorf feinste Tropfen aus ihren Kellern, allesamt in stilvollen Gläsern. Neben klassischen Weißweinen werden handgerüttelte Winzersekte ebenso ausgeschenkt wie harmonische, tiefdunkle Dürkheimer Rotweine. In zwei Speisezelten werden verschiedene Gaumenfreuden angeboten - gemütliches Beisammensein in gehobener Atmosphäre.“

Betrachten wir doch diese erlesene Getränkeauswahl einmal etwas näher: In fünf oder sechs Kategorien gibt es Weine, die der Einfachheit halber durchnummeriert werden. Dem norddeutschen Durchschnittsbierkonsumenten wird sich diese Vielfalt nie erschließen, da sich ihm durch die Übersäuerung seines Mageninhaltes nach spätestens zwei Schoppen der Magen umdreht und sich die Fußnägel bedrohlich aufstellen. Diese Batterieflüssigkeiten dürfen, je nach Lust und Laune mit destilliertem  Wasser gestreckt werden, jedoch niemals mit Fanta, Sprite oder Ürdürgülüm (der türkischen Variante von Chemikalienverseuchter Zuckerwasserplörre mit Zitronengeschmack) versetzt werden.
Eine besondere Art der kulinarischen Grausamkeit ist ein als „Trollschoppen“ verniedlichte Rachenputz bestehend aus Riesling und Sekt. Diese erstklassige Form von Pinselreiniger soll dazu angetan sein, sämtliche Lichter in allerkürzester Zeit auszuschießen. Die Wirkung dieses Dröhnfusels sollte man nur mit masochistischen Veranlagungen im Selbstversuch testen.

Wer seinen Magen gänzlich blank schmeißen will, dem bleiben noch die Gourmetangebote in den riesigen Sudpfannen der Fressgasse: Rumänischer Hirtentopf, Lumpenhafener Ferkelpfanne, Wiesenchampignons im Sägespanmantel - unerschöpflich ist die Phantasie der Fettsieder und Schmurgelköche. Fischers Fritze bietet seine öligen Panadebrocken feil und wackelt vor Freude mit seinem Fischstäbchen während der asiatische Schnellkoch die gefürchtete Chinapfanne anrührt: Schredderschwein auf Rübenblatt und Weinstocklaub, angedickt mit Flüssigküken.

Die Königin dieser Jahrmarktsverköstigung ist und bleibt aber die Lewerworscht. Allein der Augenschmaus, die Fleischbrocken auf ihrem Weg in den Schlund zu sehen, entschädigt den Verlust an Lebenserwartung nach ihrem Genuss.
Als >stilvolle< Gläser bezeichnet man grobes Kristall, in das man aus ergonomischen Gründen Bremskullern eingelassen hat, damit dem völlig besoffenen Konsumenten, nicht plötzlich das begehrte Getränk aus der Hand flutscht. Dubbeglas nennt der pfälzische Experte die prähistorische Erfindung aus der Kreidezeit.

Alles was in den nimmersatten Schacht eingeführt wird, muss auch irgendwann wieder raus. Dafür hat der Pfälzer die Weinberge erfunden, in denen es sich in langen Reihen zwischen den Rebstöcken herrlich ausstrullern lässt. Wer nicht gerade ein Pärchen beim Vollzug des Erhalts der Menschheit stört, kann hier seiner Blase freien Lauf lassen. Da der Weg in die Berge beschwerlich ist und man immerhin eine Straße überqueren muss, wählen die allermeisten Besucher den kürzesten Weg um sich Erleichterung zu verschaffen: Im Schatten der Saline sieht man beiderseits auf ganzer Länge Geschlechtsteile blitzen. Die Sole-Inhalation ist weltberühmt – die Urin-Inhalation hingegen wirkt kontraindiziert und Brechreiz erregend.   

Immergleiches Ritual am Ende eines der Wurstmarkttage ist das Verblasen der Müllstrecke danach. Auweia, was waren wir wieder für kleine Ferkel. Fünfzig Tonnen Plastikbecher, Würstchenpappen und weggeworfene Losbudengewinne sind wieder mal zusammengekommen. Dabei ist gerade dieser vermeintliche Nebenaspekt die Hauptlust am Sauf- und Freß-Event. Endlich kann man sich mal wieder wie eine richtige Ökosau benehmen: Halben Liter Weinschlempe auf ex in den Kopp und kraxzerberst den Dubbebecher auf dem Trottoir zertreten, harharhar! Mal wieder richtig die Gegend zumüllen wie früher, als sie noch nicht Umwelt hieß - das macht schon Spaß! Drum hat sie schon ihren Sinn, die pfälzische Abschiedsfeier vom Sommer: Sie ist der kleine Wochenendurlaub vom Mülltrennen und Gesundleben. Ist doch auch schon was!

Löffel (sehr frei nach D. Wischmeyer)